Der Radweg Borsum - Asel

Ein "Mehrphasen-Modell" mit Zaungästen

 

(wk) Spricht man in der Ortschaft das Thema „Radweg“ an, winken viele Bürger resigniert ab. Zu Unrecht, wie wir finden. Denn der gesellschaftliche Druck, stärker auf die Bedürfnisse der Radfahrer zu achten, wird dieses Thema nicht mehr in der Versenkung verschwinden lassen. Und aktuell kann man sogar (fast) optimistisch sein, dass es nach vielen, vielen Jahren der Hängepartie doch endlich etwas wird mit dem ersehnten - und so dringend benötigten - Radweg. Kommunalpolitiker gibt es ja, die da nicht locker lassen.

 

 

 

Für den Naturschutzverein ist dieses Thema nicht unproblematisch. Denn hatte es zwischenzeitlich den Anschein, als setze sich bei Abwägung der betroffenen Belange die Vernunft durch und käme es zu einer größtmöglichen Schonung der Natur, so kristallisiert sich aktuell eine Planungsvariante heraus, die zwar besser ist als das, was früher „planfestgestellt“ war … aber doch nicht erfreuen kann. Worum geht es?

 

 

 

a) Die „historische“ Trasse, für die es bereits einen Planfeststellungsbeschluss gab, sah eine Radwegeführung mehr oder weniger parallel, aber innerhalb des Waldbestandes entlang der K 202  vor. Ein Relikt aus einer Zeit, als man der Natur einfach noch nicht den ihr gebührenden Stellenwert beimaß. Diese Planung wurde - auch wegen der Probleme bei der Flächenbeschaffung -  nie vollzogen, worüber kein Naturfreund traurig sein konnte. Da man im Naturschutz nichts geschenkt bekommt, haben wir unsere Argumente dann auch entsprechend deutlich vorgetragen. Dies hat (leider nur vorübergehend) auch die Fachbehörde überzeugt.

 

 

 

b) Entspannung zeichnete sich ab, als die Planer dazu übergingen, sich mit einer Trassenführung auf der sog. „Feldseite“ zu beschäftigen. Eine Lösung, die auch die Bürger der Ortschaft für vernünftiger hielten, wie wir in vielen Gesprächen bemerkten. Indes kann man nur auf eigenem Grund und Boden bauen, und ein Radweg ist nun mal keine Autobahn. Bei dem Bau einer Autobahn wird nicht lange verhandelt. Dort gilt für Grundstückseigner die Devise: Angebot des Aufkäufers annehmen oder sich dem Planfeststellungsverfahren mit dem Risiko einer Enteignung stellen. Bei einem Radweg … ach … . Letztlich sind es offiziell technische Gründe der Rübenverladung, an denen die Lösung auf der Feldseite scheiterte. Das können und wollen wir nicht kommentieren, denn wir sind wie so häufig in solchen Verfahren Zaungäste. Gespräche am „Runden Tisch“, an dem man über einen Interessenausgleich zwischen den Bedürfnissen der Bürger, der Landwirtschaft und des Naturschutzes vertieft diskutieren könnte, mag es als Ausfluss modernen staatlichen Planens und Handelns andernorts geben, vor Ort ticken die Uhren irgendwie noch anders.

 

 

 

c) Aktuell wird also wiederum die „Waldseite“ diskutiert. Offensichtlich bietet ein Eichenstamm weniger Widerstand. Für den Naturschutz ist diese Variante insofern neu, als jetzt das passieren soll, was früher wohl nicht möglich war: eine Trassenführung zumindest am Borsumer Wald in unmittelbarer Nähe zum Straßenkörper, das heißt auf dem heutigen Entwässerungsgraben. Vorteil dieser Variante wäre eine Reduzierung des zu erwartenden Eingriffs in die Waldsubstanz. Weiterhin wird angekündigt, die Waldkante durch die Anpflanzung von Büschen mehr einem natürlichen Saumbiotop anzunähern. Wie erheblich der Eingriff letztlich sein wird, wird man sehen, wenn das förmliche Verfahren eingeleitet und die Naturschutzverbände beteiligt werden. Dann liegen die Fakten - sprich: Ordner - für einige Wochen auf dem Tisch und können geprüft werden. Leider auch hier wie so oft: Bedenken können dann erst wieder „5 Minuten vor 12“ vorgebracht werden. Wäre also ein weiterer Anlass für eine frühzeitige Einbeziehung der Naturschutzverbände, aber das Thema hatten wir ja schon.

 

 

 

d) Vorläufig letzter Akt: an der Waldkante sind eine ganze Reihe von Bäumen „markiert“ und einige auch postwendend gefällt worden. Kommt natürlich so direkt vor der Einleitung eines behördlichen Planungsverfahrens nicht gut an. Ein Schelm könnte auf die Idee kommen, dass eine bereits „vorgelichtete“ Waldkante im Endeffekt auch später die behördlichen Kompensationsmaßnahmen zu schmälern vermag.

 

 

 

Wir fragten also beim Landkreis nach, die sich vor solchen Maßnahmen ja zugleich als Untere Naturschutzbehörde mit solchen Fällaktionen an sich befassen müsste. Die Antwort fiel ausgesprochen schmallippig aus. Alles nur aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht erfolgt, und vorsorglich habe man das Ganze auch „dokumentiert“. Warum dann die von uns weiteren gestellten Fragen nach dem genauen Umfang der Maßnahme nicht beantwortet werden konnten (oder nicht sollten) ? Die reale Auskunftsfreude steht eben manchmal im umgekehrten Verhältnis zur Eloquenz der Mitarbeiter, wenn es diesen darum geht zu versichern, alle Bürger würden bei einer Planung „mitgenommen“. Warten wir auf die nächste Generation, vielleicht klappt es mit dem "Miteinander" ja mit diesen.   

 

 

 

Aktualisierung Oktober 2017:

 

 

Seit einigen Tagen sind die Planfeststellungsunterlagen auf der Homepage des Landkreises Hildesheim veröffentlicht. 

 

 https://www.landkreishildesheim.de/Politik-Verwaltung/Verwaltung/Projekte/Radweg-K202

 

Die Behörde hat 5 verschiedene Varianten des Trassenverlaufs geprüft. Wir stellen sie nachfolgend - der besseren Übersicht halber verkürzt - dar. Wer sich intensiver mit dieser Frage auseinandersetzen will, sei auf den sog. Erläuterungsbericht - Teil der veröffentlichten Planfeststellungsunterlagen - verwiesen): Die in nachfolgender Aufstellung verwendeten Smilies geben unsere Meinung wieder, sind selbstverständlich nicht Teil der behördlichen Unterlagen: 

 

 

Geprüfte Varianten der Trassenführung

 

(Streckenverlauf Kreuzung B494/K202 bis Eingang Ortschaft Borsum)

 

 

Nr.

N = Nordseite (Feldseite)

S = Südseite (Waldseite)

1

 

Neubau Nordseite + Mitbenutzung des „Aseler Teilstücks (300m)“

 

Schutz der Waldkante entlang des Borsumer Waldes; Streckenführung gut einsehbar;

 

Querung am Aseler Holz, Sportplatzbesucher müssen ebenfalls queren; Verlust landwirtschaftlicher Flächen; lt. Behörde Probleme bei der Rübenabfuhr;

 

Erläuterungsbericht:

= geringer bis mittlerer Eingriff in die Natur

 

 

Vor und hinter dem Borsumer Wald verläuft Trasse „hinter“ dem Straßengraben, entlang der Waldkante parallel zur Straße auf dem jetzigen Grabenbereich, von der Straße durch eine Bordanlage getrennt;

 

keine Querungen außerhalb der Ortschaft nötig; gut einsehbar; geringerer Verlust an landwirtschaftlichen Flächen im Vergleich zur Nordseite;;

Verlust von über 90 großkronigen Bäumen; Gefahr von Astbruch usw. (Verkehrssicherungspflicht)

 

Erläuterungsbericht:

= höherer bis hoher Eingriff in die Schutzgüter Tiere, Pflanzen u. Boden

 

2

 

Neubau komplett auf Nordseite

 

Schutz der Waldkante entlang des Borsumer Waldes; Streckenführung gut einsehbar;

Eingriff entlang des Aseler Holzes, , Sportplatzbesucher müssen ebenfalls queren; Verlust landwirtschaftlicher Flächen; lt. Behörde Probleme bei der Rübenabfuhr.

 

Erläuterungsbericht:

= mittlerer bis mäßiger Eingriff in die Natur;

 

 

 

Vorzugsvariante:

 

Vor und hinter dem Borsumer Wald verläuft Trasse „hinter“ dem Straßengraben, entlang der Waldkante parallel zur Straße auf dem jetzigen Grabenbereich, von der Straße durch einen 1,75 m breiten Sicherheitsstreifen getrennt;

 

keine Querungen außerhalb der Ortschaft nötig, ; gut einsehbar; geringerer Verlust an landwirtschaftlichen Flächen im Vergleich zur Nordseite;;

noch stärkerer Eingriff in die Waldkante des Borsumer Waldes; Gefahr von Astbruch usw. (Verkehrssicherungspflicht)

 

Erläuterungsbericht:

= = höherer bis hoher Eingriff in die Schutzgüter Tiere, Pflanzen u. Boden

 

3

 

 

Komplett auf der Südseite hinter dem Straßengraben (auch entlang der Waldkante)

 

keine Querungen außerhalb der Ortschaft nötig;

stärkerer Eingriff in die Waldkante des Borsumer Waldes; Gefahr von Astbruch usw. (Verkehrssicherungspflicht)

 

 

Erläuterungsbericht:

= im Vergleich zu allen anderen Varianten der höchste Eingriff in die Natur

 

4

 

 

Komplett auf der Südseite, „schlängelt“ sich im Wald zwischen den Bäumen hindurch

 

keine Querungen außerhalb der Ortschaft nötig;

☹☹☹Variante mit dem stärksten Eingriff in die Waldkante des Borsumer Waldes;  für uns nicht akzeptabel;

 

Anmerkung: die Behörde sieht einen geringeren Eingriff durch die variable Streckenführung. ; nicht problematisiert wird jedoch die räumliche Eingriffstiefe (von der Straße aus gesehen) und die negativen Folgen für das Wurzelwerk der angrenzenden Bäume auch resultierend aus der Bodenverdichtung während den Bau- und späteren Unterhaltungs- bzw. Reparaturarbeiten.

 

5

 

 

„Feldmarkstrecke“

 

Radweg führt südlich ganz um den Borsumer Wald herum 

 

kein Eingriff in den Baumbestand

„einsame“ Streckenführung, nicht unerhebliche Höhenunterschiede; längere Strecke; dürfte kaum auf Akzeptanz der Nutzer führen;

 

 

 

Im Planfeststellungsverfahren hat der OVH im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung am 06.11.2017 Stellung genommen. Es wurden Bedenken gegen die Auswahl der Vorzugsvariante genauso erhoben wie gegen die unseres Erachtens unzulängliche Kompensierung der zu erwartenden Eingriffe für Fauna und Flora. 

 

Im Erörterungstermin vom 17.05.2018 haben wir die Bedenken aufrechterhalten.