
(wk) Wir haben mit einem speziell hierfür entwickelten Bodenmikrofon näher hingehört: Es klingt anders als bei festlichen Veranstaltungen auf dem
Heinrich-Ruhen-Platz. Vielmehr sind ein Schaben, ein Kratzen und Knarzen, ein Knistern, Knispeln und Rascheln zu hören. Diese fremdartig erscheinende Klangwelt ist schwer zu beschreiben – man
muss sie selbst gehört haben. Es sind die Geräusche der vielen Lebewesen in den Hohl- bzw. Porenräumen unterhalb der Erdoberfläche. Es sind die Geräusche unserer fleißigen Helfer im Untergrund,
ohne die der Boden auf der Erde so mineralisch wäre wie auf dem Mond. Boden wäre zwar vorhanden, jedoch als Basis für eine Landwirtschaft ungeeignet. Ein totes Mineralgefüge.
Doch wie hört man in den Boden hinein? Nun, man steckt ein Hochleistungsmikrofon, sozusagen die „Sonde“, in den Boden und hört einfach zu (für Interessierte: im Internet nach dem Stichwort „sounding soil“ suchen). Das Problem ist dann die Interpretation dessen, was man hört. Sind das mampfende Asseln? Ein Regenwurm, der sich durch den Boden schiebt? Die vielen kleinen, wimmelnden Springschwänze? Oder alles zusammen? Klingt es im Garten anders als auf einem als Wald, Acker oder Grünland genutzten Boden? Ist das also abhängig von der jeweiligen Art der Bodennutzung? Unterschiede je nach Tages- und Jahreszeit sind feststellbar. Wir selbst haben hingehört, als der Boden extrem trocken und das Bodenleben deshalb eher inaktiv war bzw. sich in tiefere Schichten zurückgezogen hatte, um der Trockenheit zu entgehen.
In einer kleinen Artikelserie werden wir uns umfassender mit dem Boden als Lebensraum und dem kleinen „Zoo“ darin beschäftigen. Immerhin beinhalte der Boden ca. 60
% aller weltweiten Arten, sagt die Wissenschaft, und die sollte es ja wissen. Jedenfalls ist der lebendige, fruchtbare Boden auch eine Voraussetzung für die Existenz der Menschen, die auf ihm
herumlaufen. Er speichert Trinkwasser und filtert es, liefert Nahrung, Biomasse, Erdwärme und mineralische Rohstoffe. Und weil er endlich ist, wie uns der Globus zeigt, ist er eine knappe, nicht
erneuerbare Ressource, die entsprechend geschützt werden muss. Grund genug, sich einmal vertieft mit dem „Dreck” unter unseren Füßen zu beschäftigen.
Wer Lust hat, sich mit den Geheimnissen dieser licht-, aber keineswegs leblosen Welt zu beschäftigen, ist herzlich eingeladen, dabei zu bleiben. Das ist einmal ein
gänzlich anderer Lebensraum als der, über den wir normalerweise berichten. Aber nicht minder lebendig und bedeutsam.
(veröffentlicht in der Harsumer Rundschau Ausgabe v. 26.10.2025)
Interesse am regionalen Bodenschutz? das "Bodenbündnis Hildesheim" beschäftigt sich genau mit diesem Thema.