(wk) Boden ist kein totes Substrat, sondern ein lebendiges, atmendes System und die Grundlage allen Pflanzenwachstums – und damit auch unserer Ernährung. Er entsteht extrem langsam. Wind, Wasser, Temperaturunterschiede und chemische Prozesse zersetzen über Jahrtausende hinweg Gestein zu immer feineren Mineralpartikeln. Doch erst, wenn sich diese anorganischen Bestandteile mit organischem Material – abgestorbene Pflanzenreste, Wurzeln und Mikroorganismen – vermischen, beginnt sich langsam eine echte Bodenschicht zu bilden.
Unsere fruchtbarsten Ackerböden, die Schwarzerden (Tschernoseme), sind hierbei jedoch eine Ausnahme. Ihr mineralischer Bestandteil, der Löss, ist ein sehr feines, staubiges Sediment. Und dieses stammt zudem nicht von hier. Kräftige Winde am Ende der letzten Eiszeit haben den feinen Staub aus den trockenen, vegetationsarmen Flächen vor den Gletschern im Norden aufgewirbelt. Der Staub wurde dann in unserer Gegend, vor den beginnenden Mittelgebirgen, abgelagert.
Löss ist kalkreich, gut durchlüftet und speichert Wasser – ideale Voraussetzungen für die Entwicklung nährstoffreicher Ackerböden. Wenn wir heute zur Heideblüte nach Norden fahren, finden wir dort nur noch die leergefegten kargen Böden vor. Deren fruchtbare Bodenbestandteile liegen jetzt bei uns.
Doch der mineralische Staub allein ist noch kein Ackerboden. Erst das Bodenleben, das sogenannte Edaphon, verwandelt den Löss oberflächennah in die dunkle, humusreiche Schwarzerde, mal mehr, mal weniger stark.
Doch wie wird aus Gelb dann Schwarz? Kleinstlebewesen wie Bakterien, Pilze, Regenwürmer, Milben und Springschwänze zersetzen abgestorbene Pflanzenreste, mischen sie mit dem mineralischen Boden und belüften das Substrat. Diese Bioturbation, also die ständige Durchmischung des Bodens durch Lebewesen, sorgt erst dafür, dass Nährstoffe verfügbar werden, der Boden seine krümelige Struktur erhält und sich auch farblich verändert. In unserem Heimatmuseum in dem vom Naturschutzverein gestalteten Ausstellungsraum befindet sich ein Profilschnitt des hiesigen Bodens, der die entstandene farbliche Schichtung sehr anschaulich zeigt.
In den hiesigen Steppenlandschaften der letzten Warmzeiten lief dieser Prozess gängigen Theorie zufolge besonders intensiv ab: Die dichte Grasvegetation lieferte jedes Jahr große Mengen an organischer Substanz, die vom Bodenleben umgesetzt wurde. So konnte allmählich die tiefgründige, dunkle Schwarzerde entstehen. Ein Schatz, der uns heute mit seiner Fruchtbarkeit ernährt. Allerdings - bedingt durch die höheren Niederschläge unserer Breiten - heute schon nicht mehr im Optimalzustand. Auch ein Boden befindet sich (nach geologischen Zeitmaßstäben) in einem fortwährenden Entwicklungs- bzw Veränderungsprozess.
Bringen wir es auf eine einfache Formel: Für unseren nutzbaren Boden braucht es drei Zutaten: Ausgangsgestein, Verwitterung und aktives Bodenleben (und seeeehhhrrr viel Zeit).
Was über Jahrtausende hinweg entstanden ist, kann leider innerhalb weniger Jahrzehnte wieder verloren gehen – beispielsweise durch Erosion, Verdichtung und/oder falsche Bewirtschaftung. Deshalb ist der Schutz des Bodens und der vielen darin lebenden Helferlein für den Menschen von existenzieller Bedeutung. Dies wird zwar immer wieder betont, doch oft widerspricht dann das tatsächliche Handeln dieser Erkenntnis (sorry, das musste raus).
Im nächsten Beitrag zu diesem Thema geht es dann endlich unter die Erde, hin zu unseren bereits häufiger erwähnten Helferlein im Untergrund.
Interesse am regionalen Bodenschutz? das "Bodenbündnis Hildesheim" beschäftigt sich genau mit diesem Thema.